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Erneuter Überfall auf einen jungen Homosexuellen in Berlin
Wieder ist ein Mann Opfer eines brutalen schwulenfeindlichen Angriffs geworden. In der Nacht zum Mittwoch (21.01.09) wurde in Berlin-Schöneberg ein 23jähriger von fünf Angreifern lebensgefährlich verletzt und musste notoperiert werden. Schädelbruch und Hirnblutungen... Der junge Mann war Hand in Hand mit seinem Partner auf der Straße unterwegs.
Die Zahl der registrierten Angriffe auf Schwule und Lesben in der Hauptstadt steigt. Von 15 Fällen im Jahr 2005, auf 28 2006. Im Jahr 2007 waren es 43 Angriffe. Auch 2008 ist ein weiterer Anstieg zu beklagen. Die Dunkelziffer in Berlin – Brandenburg wird noch viel höher geschätzt.
Berichte von mehrmaligen Schändungen des Mahnmals für homosexuelle Opfer und Verfolgte des Nazi-Regimes in Berlin-Tiergarten ergänzen in den letzten Monaten ein erschreckendes Bild. Überfälle auf Begegnungsstätten und Lokale häufen sich leider ebenfalls in unserer Region. Schwulenfeindliche Hetz-Texte auf rechtsradikalen Internetseiten kommen hinzu und belegen, dass die Schwulen und Lesben verstärkt zum Hass-Objekt der Rechten Szene werden. Aber auch unter Jugendlichen mit türkischen und arabischen Migrationshintergrund sind immer mehr gewaltbereite Täter zu verzeichnen.
Die Schwusos Brandenburg mahnen zur Achtsamkeit. Die Tendenzen sind ganz offensichtlich. Aber die Schwulen und Lesben dürfen sich nicht zurückdrängen lassen. Man will die Schwulen und Lesben anscheinend als gesellschaftliche Randgruppe einschüchtern, diffamieren und bekämpfen. Das darf man nicht reaktionslos hinnehmen. Mit Mahnwachen und Protestkundgebungen werden Zeichen gesetzt und die Öffentlichkeit für diese Missstände sensibilisiert.
Aber auch eine Forderung nach konsequenter Ahndung und härterer Bestrafung von Hate Crimes steht seit Jahren zur Diskussion. Hassmotivierte gewalttätige Überfälle auf bestimmte Opfergruppen wie z.B. Schwule und Lesben, Behinderte Menschen, religiöse Minderheiten, Obdachlose sollen demnach als Abschreckung stärker bestraft werden. Dies bringt besondere Herausforderungen für die Polizei, aber auch für die Rechtssprechung mit sich. Das letzte Wort ist hierzu noch nicht gesprochen.
Im Gedanken sind wir bei den Opfern. Es kann jederzeit auch einen von uns oder aus unserem Umfeld treffen. Egal, ob man in der märkischen Provinz lebt oder in der großen Millionenmetropole zuhause ist. Die Schwulen und Lesben, ihre Familien, Freunde, Nachbarn und Kollegen sollten wachsam bleiben und sich gegen die schleichenden Anfänge wehren.
Schwule und Lesben können – trotz aller Bedrohung – aber auch weiterhin zu mehr Akzeptanz beitragen. Indem sie offen und selbstbewusst weiterleben wie bisher. Nur so können sich Berliner und Brandenburger an das Zusammenleben mit Homosexuellen gewöhnen.